DAS NEUSTÄDTER FASTENTUCH

DAS NEUSTÄDTER FASTENTUCH

von Monsignore Pfr. Johannes Hofmann

Die vierzigtägige Fastenzeit hat ein klares Ziel: die Heilige Woche, in der Leiden, Tod und Auferstehung Jesu Christi gefeiert werden. Deshalb sind viele altehrwürdige Fasten- oder Hungertücher, die sich erhalten haben, mit den Szenen der Passion bemalt, andere beginnen bereits mit Bildern von Ereignissen im Alten Bund. Befragen wir aber die Liturgie und deren Leseordnung und Texte, so tauchen darin allenfalls die Leidensweissagungen Jesu auf. Alles andere diente einst dazu, die Katechumenen, d.h. die Taufbewerber, die das Taufsakrament in der Osternacht empfangen wollten, mit der christlichen Botschaft vertraut zu machen. Dies gilt auch noch heute für die Gemeinden, dass gerade nicht mit Lehrsätzen, sondern durch das lebendige Wort der biblischen Schriften das Heilshandeln Gottes durch Jesus erzählt und vergegenwärtigt wird. Marksteine auf diesem Weg auf Ostern zu sind die Evangelien der sechs Fastensonntage. Die Liturgiereform hat auf drei Lesejahre verteilt die Themen erweitert.

Professor Franz Bernhard Weißhaar hat im Jahr 2012 für die Stadtpfarrkirche St. Laurentius ein Fastentuch geschaffen, das seit dem Aschermittwoch wieder in unserer Kirche hängt. Er hat Evangelien der Fastensonntage in einfachen hell-dunkel-Bildern zu einem Ganzen zusammengefügt, so dass das ganze Tuch acht dunkle Felder mit hellen Figuren und sieben helle Felder mit Texten enthält.

Die Reihenfolge widerspricht zwar aller Lesegewohnheit, bewährt sich jedoch, weil man oben rechts am Palmsonntag ankommen will. Nicht nur die Taufbewerber, die ganze Pfarrgemeinde ist aufgerufen, den Weg auf Ostern hin mit Jesus und den Jüngern mitzugehen. Dabei erleben wir Jesus in gegensätzlichen Situationen und Reaktionen.

1. Jesus in der Wüste, der schlagfertig die biblischen Argumente des Widersachers mit Schriftworten konterkariert, bis dieser von ihm ablässt.

2. Zornentbrannt schwingt Jesus die Geisel und wirft die Wechslertische beiseite, um die Würde des Gotteshauses klarzustellen.

3. Im Gespräch mit Nikodemus identifiziert sich Jesus selbst mit der Kupferschlange, die Moses „erhöhte“, mit der Zusage, dass sie denen zur Heilung hilft, die sich aufraffen, um aufzuschauen.

4. Der Dialog mit der Samaritanerin aus Sychár zeigt uns einen Jesus, der zuhören kann und die Frage der Frau klärt, wo Anbetung Gottes geschieht.

5. Am Lazarusgrab widerstreitet Jesus dem Todesschicksal des Freundes und ruft ihn ins Leben zurück.

6. Auf dem Tabor sprechen Elias und Mose, Repräsentanten des Alten Bundes, mit Jesus über das Schicksal, das ihm in Jerusalem auferlegt werden wird.

7. Jesus als behutsam heilenden Arzt erlebt der blinde Bartimäus vor den Toren Jerichos und sieht das Licht.

8. Als Davidssohn und Messiaskönig zieht Jesus in Jerusalem ein – die Karwoche beginnt, aus Hosanna- werden Crucifige-Rufe.

Schreibe einen Kommentar

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen